Andy | 21. Januar 2010 | 01:01
Wolf Haas:

»Der Brenner und der liebe Gott«

»Der Brenner und der liebe Gott«

Genre: Humor & Skurriles, Thriller & Krimis
Orginaltitel: #aut
Seitenzahl: 224
Erscheinungsjahr: 2009
Andys Bewertung: 4*

Nach vielen Jahren kehrt Haas’ kultige Detektivfigur zurück.

Der Herr Simon, vielen auch als der Brenner bekannt, arbeitet jetzt als Chauffeur für den Baulöwen Kressdorf und ist insbesondere damit betreut, dessen kleine Tochter Helena von zwischen Wien, Kitzbühel und München hin und her zu fahren. Als er eines Tages vom Zahlen an der Tankstelle zurückkehrt, ist Helena aus dem Auto verschwunden. Neben dem Brenner selbst wird auch der Proleben-Cheff Knoll, welcher schon seit Jahren gegen die Abtreibungsklinik von Helenas Mutter kämpft, der Entführung bezichtigt. Ungewöhnlich und besorgniserregend ist vor allem, dass es keine Lösegeldforderung gibt. Nun arbeitslos und von Schuldgefühlen geplagt, begibt sich der Brenner auf die Suche nach dem Kind und schon bald stößt er dabei auf die erste Leiche…

Der Brenner ist nicht besonders klug, mutig, jung oder charmant. Fernab vom Spürsinn eines Sherlock Holmes, deckt er Geheimnisse durch gute alte Polizeiarbeit oder rein zufällig auf. Er ist ein normaler Typ und gerade das macht ihn sympathisch. Und noch etwas unterscheidet von anderen Detektiven. Wie der Titel schon veranschaulicht teilt der Brenner ein Merkmal mit dem lieben Gott: man spricht von ihm mit dem bestimmten Artikel und lässt dafür den Vornamen weg.
Die zweite bemerkenswerte Haupt“figur“ in Haas’ Krimireihe ist der Erzähler, der durch seine besondere Sprechweise auffällt. „Sprachkunst quasi Hilfsausdruck“, würde er vielleicht selbst sagen. Umgangssprachlich und elliptisch schildert er Geschehnisse und Gedanken, was oft humorvoll wirkt. An einigen wenigen Stellen ist die Sprache aber zu wirr und die Inhalte sind nicht mehr nachvollziehbar. Über semantische Felder stellt er Verbindungen zwischen den einzelnen Episoden her und verleiht dadurch der Geschichte Kontinuität. Zudem entwirft er eine Art Philosophie des Alltags.
Haas schafft es, den Leser alltägliche Schauplätze ganz neu erleben zu lassen. Und auch wenn die Figuren wie aus dem wahren Leben gegriffen wirken, ist die Erzählung, dank überraschender Wendungen, alles andere als banal.

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