Andy | 10. Januar 2010 | 21:01
Ian Fleming:

»Casino Royale«

»Casino Royale«

Genre: (Auto-)Biografisch, Drama & Trauriges, Liebe & Beziehungen, Politik & Gesellschaft, Thriller & Krimis
Orginaltitel: #uk
Seitenzahl: 213
Erscheinungsjahr: 1953
Andys Bewertung: 4*
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In seinem ersten Romanabenteuer erwartet James Bond ein ungewöhnlicher Auftrag: Er soll den Geldverwalter der Sowjets in Frankreich, Le Chiffre, beim Glücksspiel besiegen und so den Russen einen heftigen finanziellen Schlag erteilen. Neben Hilfe durch den französischen Agenten Mathis und den Amerikaner Felix Leiter erhält Bond auch Unterstützung einer Kollegin vom eigenen englischen Geheimdienst. Zuerst sträubt sich der playboy, für den Frauen nur zu kurzen Affären taugen, gegen die Idee mit ihr zusammen zu arbeiten, doch nach und nach muss er erkennen, dass Vesper Lynd sich von anderen Frauen unterscheidet und so beginnt er sich in sie zu verlieben. Derweilen entwickelt sich Bonds Auftrag anders als erwartet, denn Fortuna ist ebenso undurchschaubar wie Vesper und so unberechenbar wie der gefährliche Le Chiffre, der sich zudem als schlechter Verlierer herausstellt…

Im Gegensatz zu den Filmen lernen wir hier Bond von einer anderen Seite kennen: die Frauen, die er verführt sind primär Lustobjekte, von denen er sich schon nach einer kurzen Zeit der „nervenden Gespräche“ trennt. Gefühlskälte und eine gewisse Arroganz -er will seine eigene Haut retten und ist bereit andere im Stich zu lassen, wenn ihre Fehler selbst verschuldet sind- zeigt er auch in seiner Arbeit und so erhält Bond Züge eines Antihelden. Zudem begeht er mitunter Fehler oder hat Angst und zweifelt an einer Stelle sogar stark an seiner Arbeit und der Dichotomie gut-böse. Nicht nur einmal wird er durch bloßes Glück gerettet. Dies alles trägt dazu bei ihn menschlicher wirken zu lassen und den Typus des Super-Agenten einem komplexeren Charakter anzunähern. Gerade dass dies schon im ersten Roman geschieht, ist begrüßenswert.
Die spannungs- und wendungsreiche Agentenhandlung wird durch andere Handlungselemente zu einer guten Balance ergänzt. Hier ist vor allem die Liebesgeschichte zu nennen, die im Zentrum mehrerer Kapitel steht und bewegend geschildert wird. Des Weiteren ist auch die Darstellung der prestigereichen Atmosphäre im Städtchen Royale und dessen Geschichte gelungen, wodurch der kultivierte Genussmensch im Agenten 007 aufgezeigt werden kann. Die Erzähltechnik ist, besonders zu Beginn, abwechslungsreich: Kapitel zwei ist in Form eines Berichtes, der die Grundlage für die Mission bietet, verfasst und auch das dritte Kapitel stellt eine Analepse dar. Die Regeln von Baccharat werden kurz und größtenteils verständlich erklärt, sodass man dem Duell von Bond und Le Chiffre am Spieltisch leicht folgen kann.
Diese Agentengeschichte unterscheidet sich stark von den Filmen, neben dem bereits Genannten, so auch durch den Mangel an typischen, hochmodernen Bond-Gadgets, welche durch ‘gute, alte Polizeitricks’ ersetzt wurden. Dennoch handelt es sich hierbei um ein durchaus lesenswertes Buch, zumal es eine neue Sichtweise auf die Abenteuer der Kultfigur wirft.

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