Genre: Drama & Trauriges, Historisches, Klassiker, Liebe & Beziehungen, Politik & Gesellschaft, Religion & Kultur Orginaltitel:

Seitenzahl: 400
Erscheinungsjahr: 1969
Andys Bewertung:

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Vor genau 150 Jahren erschien Charles Darwins On the Origin of Species, welches vor 40 Jahren von John Fowles’ bekanntestem Buch The French Lieutenant’s Woman aufgegriffen wurde. Während Darwins Werk schon das ganze Jahr viel Aufmerksamkeit erhält, möchte ich das zweite Jubiläum ehren.
1867: Charles Smithson, ein Mann von Stand und Hobbypaläontologe, besucht seine Verlobte Ernestina im englischen Küstenort Lyme Regis. In dieser Stadt wohnt auch Sarah Woodruff, von vielen nur als „Tragedy“ oder „The French Lieutenant’s Whore“ bezeichnet. Sie hat sich von einem französischen Seemann verführen lassen und ist seitdem eine Verstoßene. Die tyrannische Mrs. Poulteney gibt ihr eine Anstellung, jedoch nur da sie sich dadurch das Wohlwollen Gottes und der Gesellschaft verspricht. Auf der Suche nach Fossilien stößt Charles auf die melancholische Sarah und da er ihre Lage kennt, will er ihr helfen eine bessere Anstellung bei Ernestinas Tante oder in einer anderen Stadt zu finden. Sarah will sich aber nicht helfen lassen, was bei Charles auf völliges Unverständnis stößt. Er gibt nicht auf, konsultiert den örtlichen Arzt und hört schließlich von ihr selbst, was damals geschehen ist. Immer mehr verfällt der verlobte Charles der mysteriösen Frau…
Obwohl ich von den essentiellen Wendungen dieses Buches schon vorher gehört hatte, fand ich es trotzdem aufregend zu lesen. Es sind nämlich einige cliffhanger enthalten und so beginnt nach einem spannende Kapitelende, das nächstes mehrmals mit einer anderen Figur, sodass man noch eine Weile auf die Folter gespannt wird. Einmal wird dabei sogar noch auf ganz hinterhältige Weise mit den Erwartungen des Lesers gespielt. Zu den inhaltlichen Höhepunkten zählen für mich die ironisierenden Tendenzen des Erzählers gegenüber seinen Figuren und Boshaftigkeit von Mrs. Poulteney. Die eingeschobenen Ausführungen zur viktorianischen Epoche mögen zwar einerseits als Verzögerung der Handlung gesehen werden, sie geben ihr aber mehr Tiefe und vermitteln ein interessantes und (für mich) ganz neues Bild der damaligen Zeit. Immer wieder werden auch Bezüge zu späteren geschichtlichen Ereignissen hergestellt. Zu den zentralen Themen zählen so zum Beispiel Religion und Evolution, doch Fowles konnte damals nicht wissen, dass, witzigerweise, auch heute, wie bei dem von ihm erwähnten Gosse, in Form des Intelligent Design Bestrebungen beide zu kombinieren bestehen. Jedem Kapitel sind ein, zwei kurze Zitate, vor allem aus der Mitte des 19. Jahrhunderts (Marx, Clough, Tennyson, Hardy, Arnold) vorangestellt. Leider ist deren Zusammenhang mit dem Kapitel aber nicht immer ersichtlich. Auch die Sprache lässt sich an manchen Stellen kritisieren: der Versuch, besonders schlaue Sätze zu formen artet in Holprigkeit und Mehrdeutigkeit an Stellen, an denen solche kaum gewollt sein kann, aus.
Kein Wunder, dass dieses Buch sowohl auf Bestsellerlisten als auch im (Hoch-)Schulcurriculum zu finden ist, den es hat für Jeden etwas zu bieten: eine Liebesgeschichte, Humor, meta-fiktionale Elemente, geschichtliche, soziologische und philosophische Betrachtungen und Überraschungen.









