»Doctor Faustus«
Genre: Fantasy & Übernatürliches, Klassiker, Religion & Kultur, Theaterstücke Orginaltitel:

Seitenzahl: 46
Erscheinungsjahr: 1604
Andys Bewertung:

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John Faustus hat alle Wissensgebiete (u.a. Philosophie, Medizin, Jura, Theologie) studiert, doch das reicht ihm nicht. Mit Hilfe der Magier Valdes und Cornelius erlernt er Zauberkünste und ruft durch seine Ablehnung der Heiligen Schrift unfreiwillig den Dämonen Mephastophilis herbei. Durch ihn schließt Faustus einen Pakt mit Luzifer: 24 Jahre lang soll Mephastophilis ihm dienen, dafür wird Faustus danach seine Seele dem Teufel verkaufen und auf ewig verdammt sein. Immer wieder tauchen ein guter und ein böser Engel auf und versuchen Faustus von ihrer Seite zu überzeugen. Gemeinsam mit dem Dämonen reist der Gelehrte umher, beeindruckt und täuscht Adelige und den Papst und so rückt das Ende der 24 Jahre schnell dem Ende zu…
Ohne Marlowe etwas absprechen zu wollen, aber bei anderen Autoren ist die Geschichte des Faust unterhaltsamer gestaltet. Symbole und Anspielungen mögen sein Werk zwar vielleicht sogar komplexer als das von Goethe machen, aber eine derartige kontextuelle und etymologische Analyse geht an einem Durchschnittspublikum meist vorbei. Unterhaltungswert sollen die vielen eingeschobenen Szenen mit Robin und Dick bringen, aber ihre Slapstickeinlagen sind (zumindest für heutige Rezipienten) nicht besonders lustig. Zum Teil wirkt die Tragödie lieblos geschrieben, da Faustus weder überrascht bezüglich des Erscheinens eines Dämonen zu sein scheint, noch lange überlegt bevor er dem Pakt zustimmt.
Die Machtphantasien der Figuren scheinen eine zentrale Rolle zu spielen, nicht nur bei Faustus sondern auch bei seinem Assistenten Wagner. Enttäuschend ist, dass die Titelfigur seine neugewonnene Macht nicht unterhaltsamer einsetzt. Dies soll vermutlich ausdrücken, dass die 24 Jahre mit Unwichtigem verschwendet werden, das Theaterstück wird dadurch aber keineswegs interessanter. Zugute halten muss man Marlowe aber zum Beispiel, dass er die Spannung am Ende des Texts gut vermittelt hat. Als Faustus die Personifikationen der Sieben Todsünden begegnen, sind diese zwar kreativ gestaltet, aber dennoch wenig überzeugend. Mephastophilis ist nicht so herrlich diabolisch wie bei Goethe und allgemein lässt sich sagen, dass seine berühmte deutsche Version die Marlowes in jeder Hinsicht übertrumpft, wenn man sich nicht intensiv wissenschaftlich mit Letzterem befassen will.









