Andy | 18. October 2009 | 20:10
Paul Watzlawick:

»Gebrauchsanweisung für Amerika«



Genre: (Auto-)Biografisch, Humor & Skurriles, Klassiker, Politik & Gesellschaft, Reisebericht, Sachbuch
Orginaltitel: #aut
Seitenzahl: 159
Erscheinungsjahr: 2008
Andys Bewertung: 3*
Jetzt bei Amazon.de bestellen.

1960 begann der Psychotherapeut und Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick seine Arbeit in den Vereinigten Staaten und pendelte bis zu seinem Tod 2002 immer wieder zwischen Neuer und Alter Welt. 1978 erschien erstmals seine Gebrauchsanweisung, die viele grundlegende Themen von der Einreise über das Zahlungssystem und den Straßenverkehr bis hin zu Medien, Restaurants und Gesundheitssystem der Vereinigten Staaten abdeckt. Dies alles dient aber weniger der Reiseplanung als einer Wesensbestimmung des „Homo Americanus“ im (vor)letzten Kapitel. Dennoch werden hilfreiche Tipps zu Einreisebestimmungen, Umrechnung von Maßeinheiten, Verkehrsregeln, usw. gegeben.

Die Beschreibung ist häufig humorvoll, teilweise aber ziemlich boshaft (vielleicht sogar ungerecht) gegenüber den Amerikanern. Die vorliegende Ausgabe basiert zwar auf einer Überarbeitung aus dem Jahr 2002, dennoch besteht manchmal das ungute Gefühl, manche Passagen könnten nicht mehr ganz aktuell sein. Obwohl er sich zum Beispiel der Nützlichkeit und Universalität des Internets bewusst ist, beschäftigt sich der Autor fast ein ganzes Kapitel lang ausführlich mit Telefon- und Faxkosten. Die Gebrauchsanweisung strebt keineswegs Vollständigkeit an, vereint aber viele nützliche Fakten und Informationen. Anstatt eine Tabelle oder gar die Formel zur Umrechnung von Fahrenheit in Celsius zu liefern, bietet Watzlawick beispielsweise einige Merkregeln (Wassergefrierpunkt bei 32°F, Siedepunkt bei 212°F und 61°F ist der umgekehrte Wert: 16°C). Das entspricht Watzlawicks allgemeinem Ansatz, durch wenige, praktische Beobachtungen einem komplexen Sachverhalt (wie der amerikanischen Kultur) näherzukommen. Diese Vorgehensweise wirkt jedoch auch unpräzise, weshalb der Ratgeber oft Gefahr läuft, zur Anekdotensammlung und subjektiven Wertung zu verkommen. Gemeinsam mit J. Martin Evans wird postuliert, „die Amerikaner seien eine in Illusionen verfangene Gesellschaft, die aber gleichzeitig darauf pocht, realistisch zu sein.“ Obwohl die Verhaltensweisen der Amerikaner meist belächelt oder zynisch kommentiert werden, endet Watzlawick im Relativismus (oder der Beliebigkeit): Europäer und Amerikaner würden unterschiedliche Wirklichkeiten erleben, wobei keine von beiden als wahr oder falsch gelten kann.
Ein unterhaltsames und lehrreiches Buch, das zwar nicht als einzige Informationsquelle für einen Amerikabesuch reicht, jedoch eine Vielzahl nützlicher Beobachtungen liefert.

»The Pillars of the Community« »Meine Reise mit Charley: Auf der Suche nach Amerika«


  1. Das Literarische Quartett — »Meine Reise mit Charley: Auf der Suche nach Amerika« — Tuesday, 20.October 2009 — 20:44

    [...] Gegensatz zu meiner letzten Besprechung, der von Paul Watzlawicks Gebrauchsanweisung für Amerika spielt hier die mangelnde Aktualität definitiv eine Rolle. Das von Steinbeck beschriebene Amerika [...]

Bewerten
(0 Stimmen) Loading ... Loading ...
Kommentieren