Andy | 20. September 2009 | 20:09
Jostein Gaarder:

»Das Kartengeheimnis«

»Das Kartengeheimnis«

Genre: Fantasy & Übernatürliches, Humor & Skurriles, Kinder & Jugend, Liebe & Beziehungen, Politik & Gesellschaft, Reisebericht
Orginaltitel: “Kabalmysteriet” #nor
Seitenzahl: 350
Erscheinungsjahr: 1990
Andys Bewertung: 4*
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Hans-Thomas macht sich mit seinem Vater auf den Weg von Norwegen nach Griechenland. Dort wollen sie seine Mutter finden, die die beiden vor acht Jahren verlassen hat, um sich auf die Suche nach sich selbst zu begeben. Auf den langen Autofahrten legt der Junge Patiencen mit einem der vielen Kartenspiele, die sein Vater gekauft hat, nur um eine weitere Joker-Karte seiner Sammlung hinzuzufügen. Während der Raucherpausen hält der Hobbyphilosoph seinem Sohn Vorträge über die menschliche Existenz. Als sie durch die Schweiz reisen, bekommt Hans-Thomas zuerst von einem Zwerg eine Lupe geschenkt und dann, wenig später, gibt ihm ein Bäcker ein Brötchen, in dem sich ein kleines Buch befindet, dessen Schrift man nur mit einer Lupe lesen kann. Wann immer er ungestört ist, liest er von nun an heimlich in dem Buch, da er dem Bäcker versprechen musste, niemandem davon zu erzählen. Im Büchlein steht die abenteuerliche Geschichte eines Seemanns, der auf einer magischen Insel strandet und dort auf seltsame Einwohner trifft. Doch am ungewöhlichsten an dem Brötchenbuch ist, dass es überraschende Verbindungen zum Leben des Jungen aufweist.

Anfangs ist es schwierig in die Geschichte hineinzukommen. Zudem verwirren die vielen Erzählschichten und Bäckergenerationen, die man nur allzu leicht miteinander verwechselt. Hans-Thomas ist als Hauptfigur einerseits sehr sympathisch, da er humorvoll und unglaublich schlagkräftig ist. Dadurch fällt es aber auch schwer ihn als Kind zu sehen und so wirkt es an anderen Stellen inkonsequent, wenn er sich plötzlich sehr naiv verhält. Zum Teil ist die Erzählweise übertrieben niedlich („Ich dachte nur, dass ich vielleicht den Weltrekord darin hielt, meinen Vater zu lieben“), was solche Passagen kitschig wirken lässt. Meistens glänzt Gaarder aber durch eine stilistisch schöne und symbolhaltige Sprache. Das ständige Springen zwischen der Reise nach Griechenland und der Handlung des Brötchenbuchs ist etwas anstrengend, andererseits wird dadurch die Spannung erhöht, weil man wie Hans-Thomas nur auf die nächste Gelegenheit wartet, mehr über die magische Insel zu erfahren. Die philosophischen Themen erstrecken sich von der Geschichte Sokrates’, über altbekannte Vergleiche bis hin zu genialen Denkanstößen zu Schicksal und Schöpfung. Obwohl sich nicht übersehen lässt, dass Das Kartengeheimnis vorwiegend für junge Leser gedacht ist, sind die existenziellen Fragen, die das Buch anspricht auch für Erwachsene spannend. Aber auch das Geheimnis um den Inhalt des Buchs ist gut durchdacht und so sind die 53 nach Karten benannten Kapitel (zum Beispiel “Herz As” oder “Kreuz Sieben”) sehr mitreißend gestaltet.

»Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken« »Clive Barker’s Books Of Blood Volume 3«


  1. Nefa — Dienstag, 22.September 2009 — 15:13

    Wie habe ich mir einen “nach Karten benannten” Titel vorzustellen? :)

  2. Andy — Samstag, 26.September 2009 — 23:36

    Das hätte ich wohl besser erklären sollen… Hab nun Beispiele angeführt. Jedes Kapitel ist nach einer Karte des 53 Karten Standardblatts benannt. 4 (Farben Herz, Pik, Kreuz, Karo) x 13 (“Zahlen” von As bis König) + 1 (Joker) = 53. Tadaaa! :)

  3. Nefa — Sonntag, 27.September 2009 — 18:42

    Aah, danke :)

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