Andy | 17. August 2009 | 22:08
W.M. Thackeray:

»Vanity Fair«

»Vanity Fair«

Genre: Historisches, Humor & Skurriles, Klassiker, Liebe & Beziehungen, Politik & Gesellschaft
Orginaltitel: #uk
Seitenzahl: 816 (Paperback)
Erscheinungsjahr: 1847
Andys Bewertung: 4*
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Amelia Sedley verlässt gemeinsam mit ihrer Freundin Becky Sharp 1813 Miss Pinkertons Akademie für junge Frauen und zieht wieder zu ihren Eltern. Bis die Waise Becky ihre Stelle als Gouvernante bei Sir Crawley antritt, verbringt sie einige Wochen bei den Sedleys und schnell bahnt sich etwas zwischen ihr und Amelias Bruder Joseph an, einem beleibten Dandy und gutbetuchten Angestellten der East India Company. Dass Amelia einmal den egozentrischen George Osbourne, Sohn eines Geschäftspartners ihres Vaters, heiraten wird, ist für alle schon Jahre lang absehbar. Der junge Offizier George verbringt viel Zeit mit Glückspiel und als er einmal, gemeinsam mit seinem Freund William Dobbin, Amelia besucht, verliebt sich letzterer unsterblich in Amelia, deren Liebe aber nur George gilt. Beckys neue Stelle entpuppt sich als nicht so glamourös wie erwartet. Die Gebrüder Crawley streiten um das Vermögen ihrer Schwester und auch Becky reiht sich unter die Erbschleicher.

Entgegen aller Vorurteile von Liebesromanen (Vanity Fair entstand etwa 30 Jahre nach den Werken von Jane Austen), ist dieses Buch sehr unterhaltsam, was wohl auch daran liegt, dass es sich nicht um eine typische Darstellung der Thematik handelt. Vielmehr steht eine Satire der Gesellschaft, des Jahrmarkts der Eitelkeiten, im Zentrum. Romantik wird durch finanzielle Interessen verdrängt und die Gefühle anderer werden durch die eigene Eitelkeit und Dekadenz verletzt. Auf Grund der großen Zahl an Figuren und Schauplätzen lässt sich die Handlung nur schwer zusammenfassen (das oben genannte ist nur ein kleiner Bruchteil). Die 800 Seiten lesen sich jedoch ungewöhnlich schnell, was an der fesselnden Handlung und dem bissigen Humor liegt. Thackeray baut oft überraschende Wendungen am Kapitelende ein, da Vanity Fair zuerst als Fortsetzungsroman erschien und Leser dadurch zum Kauf aller 20 Teile angeregt wurden. Der Erzähler, der immer wieder darauf pocht, dass es sich um wahre Begebenheiten handelt, kommentiert bissig, getarnt durch eine euphemistische und metaphorische Ausdrucksweise. Andererseits stimmen seine philosophischeren Ausführungen (z.B. zum Tod) und Aufforderungen an die Leser, sich am eigenen Schopf zu packen, nachdenklich. Zu den Abweichungen vom belustigenden Grundtenor zählen auch tragische und bewegende Momente. Der Herausgeber der Penguin Ausgabe, J.I.M. Stewart, kritisiert diesen Wechsel in der Haltung des Erzählers und auch im Verhalten der Figuren als unnatürlich. Dabei scheinen doch eher die von ihm verlangten, statischen Charaktere unglaubwürdig. Stewarts Vorwort und seine wenigen, willkürlich erscheinenden Fußnoten sind meines Erachtens das einzige, große Manko dieses hervorragenden Buches.

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