Mim | 24. August 2009 | 00:08
Bret Easton Ellis:

»American Psycho«

»American Psycho«

Genre: Politik & Gesellschaft, Thriller & Krimis
Orginaltitel: “American Psycho” #usa
Seitenzahl: 549 (Paperback)
Erscheinungsjahr: 1991
Mims Bewertung: 2*
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Patrick Bateman ist reich, arbeitet in der Wall Street, ist angesehen, attraktiv und kann im Prinzip jede Frau haben, die er will. Sein Leben richtet er nach gutem Aussehen, stilvoller Kleidung, Erfolg und gutem Essen aus. Man möchte meinen, dass Bateman alles hat, was er will, er ist gut erzogen und höflich, aber ab und zu scheint seine Aggressivität durch – wenn er nicht sofort bekommt, was er will oder sozial niedriger stehenden Leuten gegenüber. Trotz seinen gelegentlichen Ausbrüchen ahnt aber niemand annähernd, was Bateman verbirgt: er ist ein Serienkiller, der perverseste Vorstellungen besonders an jungen Frauen auslebt und vor jeglicher Form von Mord oder Folter keine Skrupel zeigt…

Ich habe erwartet, dass es in diesem Roman um einen Mann geht, der eigentlich charmant ist (wie es in einigen Zusammenfassungen auch angedeutet wurde) und von dem nie jemand erwarten würde, dass er einer Fliege etwas zu Leide tun kann. Schon nach wenigen Seiten aber habe ich herausgefunden, dass Bateman selbst ohne seine “Anwandlungen” ein wertendes, herablassendes Arschloch ist, mit dem man sich lieber nicht beschäftigen möchte – grenzenlose Oberflächlichkeit, er hält sich in jeder Beziehung für etwas Besseres und verliert in den meisten Situationen viel zu schnell die Geduld und brüllt mit Leuten herum (wenn er nicht überhaupt gleich anfängt, sie aufzuschlitzen). Dass jemand, dessen Leben dermaßen leer ist, dann zum Serienkiller wird, ist vielleicht auch gar nicht so verwunderlich. (Das wäre dann auch der Gesellschaftskritische Aspekt.)

Gut, vielleicht kann man sich bei einem Buch, das das Handeln eines abartigen Serienkillers beschreibt, nicht über die mangelnde Sympathie der Charaktere beschweren. Aber mir fehlte trotzdem irgendetwas. Vielleicht verhält sich die High Society wirklich so ignorant, aber dieser Roman war das Äquivalent zum Splatter in Filmform. Mir kam vor, dass das einzige Ziel es ist, zu schocken. Zwischen den grausig beschriebenen Szenen (über die ich mich nicht aufrege – ich wusste, auf was ich mich einlasse), die allerdings gar nicht so gehäuft sind wie erwartet, reiht sich eine endlose Serie von Belanglosigkeiten aneinander: genaueste Beschreibungen der Kleidung, die die Leute tragen, oberflächliches Gerede aller Art, von Batemans unendlicher Arroganz überschattet. Es wurde schon viel darüber diskutiert, dass das Ganze als Stilmittel dient, aber mir persönlich gefallen keine Stilmittel, die Langeweile generieren. Ich denke, dass es bessere Methoden gibt, etwas herüberzubringen.

Ich kann nicht wirklich rational begründen, warum ich dem Buch nur zwei Sterne gebe, aber im Endeffekt möchte ich zusammenfassend sagen, dass das Buch mir nicht allzu viel Unterhaltung beschert hat (was durch die fürchterliche Übersetzung auch nicht besser wurde) und die “Grusel”- oder “Graus”-Effekte das nicht wirklich aufgewogen haben. Vor allem, weil ich mir wider erwarten dann doch überlegt habe, wie krank der Autor denken muss, um sich so etwas einfallen zu lassen. Ursprünglich habe ich über Rezensionen, in denen Ellis das vorgeworfen wurde, den Kopf geschüttelt, da ich mir dachte, dass man da distanzieren muss, aber nachdem ich in “American Psycho” vergeblich nach psychologischer Untermauerung des Charakters Bateman gesucht habe, bin ich doch auch ein wenig verstört.

»Vanity Fair« »Jesus liebt mich«


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