Andy | 10. Mai 2009 | 16:05
E.M. Forster:

»A Room With A View«

»A Room With A View«

Genre: Liebe & Beziehungen, Politik & Gesellschaft, Reisebericht
Orginaltitel: #uk
Seitenzahl: 260 (Hardcover)
Erscheinungsjahr: 1908
Andys Bewertung: 3*
Jetzt bei Amazon.de bestellen.

Lucy Honeychurch reist mit ihrer älteren, unverheirateten Cousine Charlotte Bartlett nach Florenz. In ihrer Pension treffen sie auf viele englische Touristen, u.a. auch auf die resolute Miss Lavish, die an einem Roman schreibt, sowie auf George Emerson und seinen Vater. Da Lucy und Charlotte nicht die gewünschten Zimmer mit Aussicht bekommen haben, bieten ihnen die Emersons die ihrigen an. Charlotte, die als Anstandsdame fungiert und zudem ein schlechtes Gewissen hat, da sie die Reise auf Kosten von Lucys Mutter macht, lehnt zuerst ab, da sie so etwas als unanständig empfindet und nicht in der Schuld fremder Männer stehen will. Der sympathische Priester Mr. Beebe kann schließlich doch vermitteln, sodass die Frauen zu ihrem Ausblick kommen. Die Emersons werden von den meisten Gästen auf Grund ihrer Unkonventionalität geächtet, aber auf Lucy üben sie -vor allem der gut aussehende George- eine magische Anziehung aus. Im fremden, oft mysteriösen Italien kommen sich die beiden immer wieder nahe und doch dann werden sie von Charlotte ertappt…

Die sich anbahnende Liebesgeschichte ist schon vom Anfang an absehbar und viele Elemente haben mich an Forsters Howard’s End erinnert. Dennoch hat mich das Buch immer wieder durch seine Wendungen überrascht und durch die kollidierenden Philosophien überzeugt. Aus heutiger Sicht ist es frustrierend zu sehen, wie altbacken die Einstellung der damaligen Gesellschaft zur Rolle der Frau und zu Klassenunterschieden war. Das Tragische daran wird hier noch dadurch gesteigert, dass die junge Generation durchaus für Gleichberechtigung ist, diese aber (vorerst) nicht durchsetzen kann. In den seltenen Fällen, in denen der Erzähler sich bemerkbar macht, kommentiert er mit Humor und Abstand seine Geschichte. Die Quasi-Antagonisten sind schon beinahe so unsympathisch, dass sie einen nerven, nicht zuletzt Charlotte, die sich jedoch im späteren Verlauf noch als vielschichtiger erweist. Trotz gewisser Längen und einer leicht kitschigen Liebesgeschichte, ist A Room With A View ein lesenswerter Roman aus der frühen Moderne.

»Die Bibliothek bei Nacht« »Therefore Repent«


Bewerten
(0 Stimmen) Loading ... Loading ...
Kommentieren