Genre: Drama & Trauriges, Politik & Gesellschaft Orginaltitel:
Seitenzahl: 565 (Hardcover)
Erscheinungsjahr: 2004
Bewertung:
(Nefa),
(Mim)
Jetzt bei Amazon.de bestellenAda (14) kommt nach einem Schulverweis auf das Ernst-Bloch-Gymnasium in Bonn. Sie ist hochbegabt, selbstsicher und außenseiterisch. Mit ihren Mitschülern kann sie wenig anfangen, allein ihr Geschichtelehrer Höfi, der im Laufe der Geschichte Selbstmord begeht, indem er sich vom Dach des Schulgebäudes direkt vor Adas Füße stürzt, und der Deutsch- und Sportlehrer Smutek, mit dem sie tagtäglich läuft, können ihr intellektuell das Wasser reichen.
Adas Leben verändert sich, als Alev (18) in ihre Klasse kommt. Wie Ada ist er hoch intelligent, zynisch und diskussionsfreudig. Seine Idee, die Anwendbarkeit der Spieltheorie zu überprüfen, bringt Ada dazu, Smutek jeden Freitag Nachmittag zu sexuellen Handlungen zu verführen, diese von Alev filmen zu lassen und Smutek anschließend mit dem Material zu erpressen. Dabei geht es weniger um Geld, als um die Entwicklung des “Spiels” zu beobachten und die Berechenbarkeit jedes Einzelnen zu untersuchen.
Der Klappentext zu diesem Buch lautet:
Die atemberaubende Geschichte einer obsessiven Abhängigkeit zwischen einer Schülerin und einem Schüler, Ada und Alev, aus der sich erst die Bereitschaft, dann der Zwang zu Taten ergibt, die alle Grenzen der Moral, des menschlichen Mitgefühls und des vorhersehbaren Verhaltens überschreiten. Die beiden jungen Menschen wählen sich ihren Lehrer Smutek als Ziel einer ausgeklügelten Erpressung. Sie beginnen ein perfides Spiel um Sex, Verführung, Macht.
Ich finde, das drückt es recht gut aus. Juli Zeh spinnt eine Geschichte über Erpressung, Macht und die beiden Hauptdarsteller Ada und Alev, deren elitäre Beziehung besonders auf der Gemeinsamen Überzeugung der Nichtexistenz von Werten basiert.
Ich finde besonders den komplexen Schreibstil orginell, wenn auch kompliziert, so dass man manche Passagen doppelt lesen muss, um deren Sinn gänzlich zu erfassen. Zeh spielt mit den Wörtern wie mit ihren Charakteren, sie behandelt aktuelle, politische Ereignisse (zB. die Osterweiterung der EU) und diskutiert fiktiv über Moral und Wertvorstellungen. (Nefa)
Die Geschichte beginnt kompliziert, in einem Schreibstil, in den man sich erst einlesen muss, ebenso wie in die Protagonistin Ada, um sie mit der Zeit einschätzen zu können. Das Buch setzt sich aus einer handvoll intelligenter Hauptcharaktere zusammen, die dazu genutzt werden, philosophische und sprachlich niveauvolle Dialoge zu führen – und genau das ist schon das Problem: es wirkt mit der Zeit realitätsfremd. All die Gedankengänge, Metaphern und Vorstellungen werden nicht nur übertrieben komplex, sondern auch unauthentisch, da meiner Meinung nach ein richtiges Gespräch auf diese Weise nicht funktionieren kann. Wenn dieser Schreibstil auch davon zeugt, dass die Autorin eine großartige Fähigkeit hat, mit Sprache umzugehen, möchte man manche allzu lange Ausführungen einfach überlesen, da sie nicht auf die Wirklichkeit anwendbar sind und sich meist auch schon mit kleinen Gegenbeispielen zerstäuben ließen.
Die Handlung selbst ist gut, teils aber verworren aufgebaut, mit seltsamen Sprüngen, wobei auch Beziehungen unter den Charakteren nie ganz transparent sind. Die Idee, dass zwei Schüler einen Lehrer so erpressen, klingt ebenfalls gut, die erschreckende Skrupellosigkeit in diesem Alter, ohne dass auch nur eine Traumatisierung irgendeiner Art vorliegt, aber unglaubhaft.
Im Großen und Ganzen lässt sich das Buch als gute Geschichte, als Versuch, die Protagonisten einzuschätzen und vielleicht auch als intellektuelle Herausforderung ansehen, aber nicht als ein Bericht aus einem wahren Leben. (Mim)









